Canitzer Ortschronik
Die ältesten Menschen, die sich als Bewohner des Gebietes Canitz nachweisen lassen, lebten in der Bronzezeit (ab 2000 v. Chr.). Zahlreiche Funde von Gräbern weisen darauf hin. Bis zum Jahre 500 wurde die Landschaft von den Hemunduren bewohnt, die plötzlich wegzogen und das Land entvölkerten.
Der Name Canitz deutet jedoch auf einen slawischen Ursprung hin. Es wird angenommen, dass der Ort noch vor dem Jahre 900 von den Daleminziern (slaw. Volksstamm) gegründet wurde. Erwähnt wurde Canitz erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1221. Ein gewisser “Ritter von Canitz” wird dabei als Zeuge genannt. Durch Heinrich I. wurden im Jahre 928 die Slawen unterworfen und die Gegend von deutschen Kolonisten (Franken, Flamen, Thüringer) besiedelt. Das Dorf wurde von deutschen Feudalherren übernommen.
Wenige Jahre nach der Errichtung der Burgwarde Meißen, Zadel, Boritz und Strehla wurde westlich vom alten slawischen Siedlungskern eine Wasserburg errichtet. 1550 trat an diese Stelle das alte Canitzer Schloß, das im Dreißigjährigen Krieg ein Raub der Flammen wurde und 1764 durch ein Neues ersetzt wurde. Die Bauern waren dem Feudalherren auf dem Schloss Frondienste, Naturalabgaben und Geldzinsen schuldig. Die Wohnverhältnisse der Bauern waren sehr einfach, im Gegensatz zum Prunk des Schlosses.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde nicht nur das Schloß, sondern gesamt Canitz mehrmals zerstört. 1631/32 wurde der Ort von der Pest heimgesucht. 106 Personen (damals 3/4 der Gesamtbevölkerung) starben durch die Seuche. Im Siebenjährigen Krieg stand Canitz im Brennpunkt des Kampfes zwischen Österreichern und Preussen. Die Zeit nach dem Krieg (1761-1763) brachte Teuerungen und eine große Hungersnot. Trotzdem mußten Fronarbeiten und Abgaben an den Gutsherren geleistet werden. Die Wellen der Bürgerlichen Revolution 1789 in Frankreich schlugen auch auf Deutschland über. Am 23.August 1790 forderte die Einwohnerschaft der Gemeinde die Befreiung von Unterdrückung und Fronarbeit. Dieser Bauernaufstand wurde jedoch von den herrschenden Adelskreisen mit militärischer Gewalt zerschlagen. Später versuchten die Bauern auf andere Art und Weise von der Fron freizukommen.
Beim Bau der Gutsscheune in Schwarzroda (Teil von Canitz) beluden die hasserfüllten Fronfahrer demonstrativ ihr Fuhrwerk nur mit einem Ziegelstein, um ihn auf den Bauplatz zu fahren. Damit erreichten sie ihre Absicht, denn die Gutsherrschaft stellte den Antrag auf Ablösung von der Fronarbeit selbst. Obwohl die Frondienste abgeschafft waren, wurde die Entwicklung durch den Herrenhof gehemmt.
Ein Beispiel: Canitz war beim Bau der Eisenbahnstrecke Leipzig-Dresden ursprünglich als Haltepunkt vorgesehen. Der Rittergutsbesitzer stellte jedoch das dafür erforderliche Stück Land nicht zur Verfügung und der Haltepunkt wurde in Bornitz errichtet.
1877 starben in Canitz 33 Menschen (damals eine beachtliche Zahl) an Typhus. Eine Ortswasserleitung wurde 1910/11 gebaut und 1912 erhielt der Ort den Anschluss an das elektrische Stromnetz. 1913 hatte Canitz den ersten Bürgermeister, der zusammen mit dem Junker, dem Pfarrer, dem Kantor und dem Lehrer der Dorfschule die Politik machte. Einige politische Parteien (z.B. SPD und KPD) fanden den Weg in das Dorf. 1919-1933 gab es 7 Vereine, u.a. Gesangsvereine und einen Radfahrerverein.
1933 kam die Machtübernahme durch Hitler. Canitz überstand den folgenden Krieg fast ohne Schaden. 1945 brach der Faschismus zusammen. Daraufhin begann eine neue Zeit. Zahlreiche Umsiedlerfamilien wurden im Canitzer Schloss untergebracht, doch dann kam der Befehl zum Abbruch des Canitzer Schlosses. Auf dem ehemaligen Schloßgelände wurde 1949-1951 ein Sportplatz errichtet. Weiterhin wurde eine Kindertagesstätte mit Kinderkrippe gebaut. Im Jahr 1955 erhielt das Dorf eine Autobusverbindung mit Riesa und Strehla und 1956 entstand die erste Autobuswartehalle. Der Gasthof “Zum Roß” wurde 1957 zu einem kommunalen Kulturhaus ausgebaut. Dort fand in diesem Jahr auch die Volkswahl statt, an der sich zahlreiche Bürger beteiligten. Bereits 1945 wurde ein Schäferhaus errichtet, zunächst mit 30 Schafen. Diese Schäferei existiert noch heute.
Seit 1974 ist Canitz offizieller Stadtteil von Riesa.
Die im 13. Jahrhundert erbaute und 1697 in Barockform umgestaltete Kirche wurde wegen Einsturzgefahr 1974/75 abgerissen. Die gesamte Ausstattung, darunter ein Rest des Altarschreines (aus 15. Jh.), eine Pietagruppe (1470) und der Barockaltar (1673), wurde auf verschiedene Kirchen im Raum Leipzig verteilt. Daraufhin war die Kirche in Borna für die Canitzer zuständig. Nach der Wende wurde ein Glockenturm auf dem Friedhofsgelände errichtet.
Noch heute gibt es in Canitz zahlreiche Vereine und Clubs.
Der Spielmannszug Canitz e.V. wurde 1961 gegründet. Der Fussballverein entstand vermutlich schon lange bevor der heutige Sportplatz gebaut wurde. Die Entstehungszeit wird etwa um 1930 geschätzt. 1991 wurde der Verein BSG Traktor Canitz, bestehend aus Fussball, Kegeln und Gymnastik, umbenannt zur SG Canitz e.V..
Weiterhin existieren auf dem Canitzer Flugplatz der Modellflugclub “Falke”, der Segelfliegerclub und der Modellflugverein. Und natürlich dürfen die Kameraden der Canitzer freiwilligen Feuerwehr nicht vergessen werden (deren Chef ist übrigens unser langjähriger Torhüter Kai Guttmann).
| verfasst von: Cindy Zscherper am: 08./09.12.2002 Anlass: Projekt in Gemeinschaftskunde Aufgabe: Stelle deinen Heimatort vor! |
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| Quellen: | - Heimatbuch über Canitz von Horst Bilz 1958 |
| Homepage von Canitz | |
| Homepage des Spielmannszug Canitz e.V. | |
| Homepage des Segelfliegerclubs |